Die Freiheit des Augen-Blicks Um der Freiheit des Augen-Blicks zu begegnen bedarf es der Mühe. Der erste Schritt ist der Aufbruch aus dem Stillstand. Der Augen-Blick selbst ist ein Fremder. Er taucht auf in flimmernder Luft. Er lächelt beim Vorbeigehen, verschwindet am Horizont. Erinnerung bleibt, berührt uns. Der Augen-Blick als Bild bleibt bestehen. Der/die Berührte lächelt, ist verwirrt und spinnt Legenden, komplexe Bildwelten verwirren, eigene Bilder entstehen.
Welch Verrat, oder Täuschung steckt doch auch gerade im Augen-Blick, wenn ich fotografiere, wenn ich fotografiert werde. Das tiefe Gefühl des konzentrierten Blicks, die stete Bemühung, selbst Aktion zeigen zu müssen, die Bemühung eines Lächelns, das Verwirrt-Sein, das Weg/hin-schauen, etc. Der Augen-Blick ist ein Pfeil, der gerichtet ist, er trifft dich auf jeden Fall. Der Augen-Blick ist der Richter über ein bestimmtes Gefühls, die Überraschung, die Übertreibung, das seltsame Gewissen einer Begegnung.
Vier imaginäre Größen überschneiden sich, stoßen aufeinander, verfomen sich. Vor dem Objektiv bin ich zugleich der, für den ich mich halte, der, für den ich gehalten werden möchte, der, für den der Photograf mich hält, und der, dessen er sich bedient, um sein Können vorzuzeigen. Der Augen-Blick als Erscheinung, gebannt auf Photopapier: ein leerer – und immer leerbleibender Himmel - mit einer Erscheinung, Vernichtung und Er-Lösung zugleich. Durch ein kurzes Drücken auf den Aus-Löser der Kamera wird das Bild des Augen-Blicks vom Lauf derZeit befreit - STILL, der englische Begriff gibt es ziemlich genau wieder – STILL – Herauslösung aus Zeit. So ist es gewesen, genau so und nicht anders.Ich glaube so ähnlich geht es jedem, der bestimmte Photos macht und sei es nur im Urlaub oder zu bestimmten Anlässen. Man bemüht sich eine Stimmung, eine bestimmte Landschaft „festzuhalten“, „einzufangen“, man bemüht sich eben Augen-Blicke aus der Zeit zu lösen um nachher sagen zu können „So war es, genau so und nicht anders“. In der Freiheit des Augen-Blicks – oder ist das nur die blanke Nostalgie ? – betritt der geheime Gast jedes Festes die Bühne und schreit „Jaa! DAS SIND WIR !“ Doch wie in einem geheimen Drehbuch festgeschrieben, bläst der Wind kurze Zeit später die Bilder von der Wand. Irgend jemand sammelt sie jedoch auf und verschwindet damit in der Nacht – für die Zukunft, für die dort lauernde Erinnerung. |